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Athen, du meine Stadt-Erinnerungen

Von nikis

Athen, du meine Stadt. Ich kannte Dich besser als meine Heimat. Zweimal reiste ich mit dem Hellas-Express an, 1x mit dem Akropolis-Express und zuletzt mit dem Flieger, aber noch auf dem alten Airport. Geschlafen wurde in der Plaka im Student Hotel Perikles auf dem Dach oder noch besser bei Margarita Kokkinou, sehr schlicht und einfach, dafür sehr herzlich. Das war etwas Besonderes. Jeder Gast musste der rührigen Dame entweder seine Musikalität auf dem Klavier unter Beweis stellen oder ein Bild malen. Somit kam eine ansehnliche Galerie von Besuchern aus aller Welt zustande. Leider fiel die Mnisikleous Straße in den 80er Jahren einer radikalen Sanierung zum Opfer. Gegessen wurde in der Regel bei Jannis und seinem Vater Aris(+1978) in der Taverna Poulakis in der Panos Straße 5, selbstverständlich nach griechischer Art lauwarm. Einem Bekannten hatte ich einmal die noch ursprüngliche Lokalität als Unterkunft empfohlen(während der Hochzeitsreise). Nachts wurden er und seine Frau geweckt, ihr wisst schon, von den kleinen Dingern wie bei Max und Moritz. Ob es diese Taverne noch gibt, weiß ich nicht. Er behielt es in schöner Erinnerung. Den Abend verbrachte ich meistens mit einer Flasche Krassi allein auf dem Areopag, genoss den Blick über die Stadt. Einmal saß dort ein Grieche aus einem kleinen Dorf in Mittelgiechenland, der zum ersten Mal in seiner Metropole war...und sie vor Begeisterung besang. Einfach herrlich. Wir teilten uns den Wein, er trug Brot und Tomaten zu diesem Abend bei. Ein weiteres Erlebnis hatte ich in einer anderen Taverne 1979. Die war schon sehr exquisit, um nicht zu sagen edel. Ich gönnte mir zur Abwechslung mittags mal ein Steak, wo ich mich sonst nur von Omelett, Salat, und kleinen Souvlakispießchenen ernährte. Eigentlich wollte ich überhaupt kein Steak, aber ich sah auf der Karte in griechisch phernet mpranka(- mein Magen machte mir nämlich zu schaffen). Ich dachte nun an ein herkömmliches Pinneken, bekam aber stattdessen ein randvolles 0,2l Cocktailglas incl. 2 Eiswürfeln mit eben diesem phernet mpranka, und das mittags um 12:30 bei sengender Sonne. Seitdem weiß ich, was magische Kräfte sind. Der Drink kostete 1,20 DM! Nie vergessen. Gern hielt ich mich auch am späten Nachmittag am Kerameikos auf, ein wunderschönes Fleckchen inmitten der pulsierenden Metropole, studierte die Grabstelen, genoss die Ruhe. In den Flohmarktgassen gab es eine kleine, unscheinbare Seitengasse, die ich in jedem Jahr wieder suchen musste. Dort hatte ein kleiner Schallplattenhändler sein Domizil. Dieser hatte die beste Auswahl an griechischer Musik. Ich kaufte mir immer Georgios Katzanis "Epipoleos" und "Kyria Georgina"(in Deutschland besser bekannt von V.Leandros 'Ja der Peter, der ist schlau').

Auch ihn gibt es bestimmt nicht mehr. Stundenlang konnte ich dort sitzen und Musik hören. Über das griechische Osterfest und meine Erlebnisse in der Plaka, dazu ein andermal.

Geschrieben 12.08.2009, Geändert 15.08.2009, 3645 x gelesen.

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Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar von anadromitis vom 23.05.2010 10:47:11

wow, da bin ich glatt sprachlos... ganz toll geschrieben... und ganz genau die seele des griechen getroffen. diese leichtigkeit des seins... diese "filoxenia = gastfreundschaft"... das ist ein geist der damaligen zeit den es an gewissen stellen des landes noch zu spüren gibt. athen von damals ist leider nicht mehr das athen von heute. ich muss nach ein paar tagen immer flüchten weil ich in athina nur noch stress spüre... die menschen ackern (ja wirklich) und alle rennen ihren träumen hinterher. für mich ist athen der lebendige beweis für das was mit jedem menschen passiert der sich vergisst und dingen hinterher rennt die einen glauben gemacht wurden wertvoller zu sein als das was man hat.
auch wenn ich pesimistisch bin, so findet man immer wieder zaghafte momente wo das echte griechenland selbst in athen wieder hervorblitzt... genau da wo menschen sind die über alltägliches lachen und singen können.
alekos der gerade was melancholisch ist...


Kommentar von Bienchen2009 vom 07.03.2010 13:18:31

Hallo Nikis, bin seit dem 1.3. in Athen. Habe die ersten Tage gebraucht, um mich hier ein wenig zurecht zu finden. Würde in Athen gerne ins Theater gehen und mir ein Stück ansehen. Kannst Du mir da ein paar Tipps geben? LG Bärbel


Kommentar von nikis vom 19.08.2009 11:13:21

Na ja, ich komme ein wenig durcheinander, bei den ganmzen Rückmeldungen. Neben Athen meine ich natürlich Kreta unter kreta-treff, nikis. Liebe Grüße, Nikis


Kommentar von rainerolymp vom 18.08.2009 15:55:06

Hallo Nikis,

ja die schöne alte Zeit.
Wie gerne denkt man zurück wie man Griechenland kennen gelernt hat.
Der Artikel versetzt mich in die damalige Zeit. Danke.
Gruß Rainer